KI und der Beruf Inbetriebnahmetechniker/in: Was sich gerade verändert
Der Beruf des Inbetriebnahmetechnikers im Maschinenbau steht am Rande einer tiefgreifenden Veränderung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Mit einem KI-Risiko-Score von 47 % gilt dieser Beruf als hoch gefährdet von Automatisierung. Das IAB sieht ein Automatisierungspotenzial von 60 % – das bedeutet, dass viele Aufgaben theoretisch von Maschinen übernommen werden könnten. In der Praxis ist der Einsatz von KI jedoch noch vergleichsweise gering: Nur 22 % der Betriebe nutzen bereits KI-Technologien. Dies zeigt sich auch im sogenannten Theorie-Praxis-Gap von 38 Prozentpunkten, was bedeutet, dass es einen großen Unterschied zwischen den Möglichkeiten und der tatsächlichen Umsetzung gibt.
Für Beschäftigte bedeutet das, dass während einige Aufgaben automatisiert werden, auch neue Chancen und Herausforderungen entstehen, die es zu bewältigen gilt.
Diese Aufgaben erledigt KI schon heute
Im Arbeitsalltag eines Inbetriebnahmetechnikers gibt es bereits einige Aufgaben, die KI-Tools übernehmen. Zum Beispiel:
- Siemens MindSphere: Diese Cloud-basierte Plattform analysiert Maschinendaten, um die Inbetriebnahme und Wartung zu optimieren. Früher musste man manuell Daten sammeln und auswerten; heute liefert das System automatisch wichtige Informationen.
- ABB Ability: Diese Plattform nutzt Echtzeitdaten, um die Leistung von Maschinen während der Inbetriebnahme zu überwachen. Anstatt ständig vor Ort zu sein, kann der Techniker jetzt über die Software auf kritische Daten zugreifen.
- Bosch Rexroth IoT Gateway: Dieses Tool ermöglicht die Vernetzung von Maschinen und Anlagen. So kann der Techniker Daten zentral sammeln und analysieren, was die Effizienz der Inbetriebnahme erheblich steigert.
- PTC ThingWorx: Diese Plattform hilft Inbetriebnahmetechnikern, IoT-Anwendungen zu erstellen, die Prozesse überwachen und optimieren. Früher war dies oft ein zeitaufwendiger und manueller Prozess.
Diese Tools nehmen also viele repetitive und zeitintensive Aufgaben ab, was den Technikern mehr Raum für komplexere Tätigkeiten gibt.
Das kann KI nicht — und das bleibt deine Stärke
Trotz der Fähigkeiten von KI gibt es zahlreiche menschliche Kompetenzen, die auch in Zukunft unverzichtbar bleiben. Dazu gehören Team- und Kommunikationsfähigkeit, Eigenverantwortung sowie ein systematisches und methodisches Vorgehen.
Beispielsweise erfordert die Inbetriebnahme von Maschinen oft ein hohes Maß an Interaktion mit verschiedenen Abteilungen. Techniker müssen in der Lage sein, mit Ingenieuren, Herstellern und Kunden zu kommunizieren, um sicherzustellen, dass alle Bedürfnisse verstanden und berücksichtigt werden. Diese zwischenmenschlichen Fähigkeiten sind schwer zu automatisieren, da sie Empathie und Verständnis erfordern.
Ein weiteres Beispiel ist die Problemlösungskompetenz. Bei unerwarteten Herausforderungen sind Techniker gefordert, kreative Lösungen zu finden, etwas, was KI nicht leisten kann.
Was sich in der Branche gerade tut
Aktuell gibt es in der Branche mehrere spannende Entwicklungen. Der Trend zur Predictive Maintenance, also zur vorausschauenden Wartung, gewinnt an Bedeutung. KI wird zunehmend eingesetzt, um den Wartungsbedarf vorherzusagen und Ausfälle zu vermeiden. Auch das Konzept der Digital Twins, also virtueller Nachbildungen von Maschinen, wird immer relevanter. Diese digitalen Modelle können helfen, den Inbetriebnahmeprozess zu verbessern und Betriebsbedingungen zu simulieren.
In Deutschland investieren Unternehmen verstärkt in die Automatisierung von Inbetriebnahmeprozessen, um Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern.
So entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland
Mit etwa 56.873 Beschäftigten in Deutschland und aktuell 3.607 offenen Stellen ist die Nachfrage nach Inbetriebnahmetechnikern hoch. Das Median-Gehalt liegt bei 5.430 Euro pro Monat, mit einer Gehaltsspanne zwischen 4.414 Euro und 6.743 Euro.
Die Einführung von KI und Automatisierung könnte in den kommenden Jahren sowohl neue Stellen schaffen als auch einige traditionelle Arbeitsplätze gefährden. Laut dem IAB Job-Futuromat ist das Automatisierungspotenzial in diesem Beruf hoch, was zu einem Wandel der Beschäftigungsstruktur führen kann.
Das kannst du jetzt tun — konkrete nächste Schritte
Um in diesem sich wandelnden Umfeld erfolgreich zu bleiben, kannst du folgende Schritte unternehmen:
- Weiterbildung in KI und IoT: Nutze Plattformen wie edX oder Coursera, um kostenlose Kurse zu Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge (IoT) im Maschinenbau zu belegen.
- Technische Akademien besuchen: Informiere dich über kostengünstige Workshops und Seminare an technischen Hochschulen in deiner Nähe, die sich mit Digitalisierung und modernen Technologien beschäftigen.
- Webinare von Verbänden: Nimm an kostenlosen Webinaren teil, die von Branchenverbänden angeboten werden. Hier kannst du aktuelle Trends und Technologien kennenlernen und dein Netzwerk erweitern.
Diese Schritte helfen dir, deine Fach- und persönlichen Kompetenzen zu erweitern und dich optimal auf die Veränderungen in deinem Beruf vorzubereiten.
Fazit: Deine Zukunft als Inbetriebnahmetechniker/in
Die Rolle des Inbetriebnahmetechnikers im Maschinenbau wird sich durch den Einsatz von KI und Automatisierung verändern, doch viele menschliche Fähigkeiten bleiben unverzichtbar. Mit der richtigen Weiterbildung und einem offenen Geist kannst du diese Veränderungen nicht nur bewältigen, sondern auch aktiv mitgestalten. Mach dich bereit für die Zukunft – sie hält viele spannende Möglichkeiten für dich bereit!