KI und der Beruf Lackierer/in - Spritzlackierung: Was sich gerade verändert
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Lackierbranche. Der KI-Risiko-Score für Lackierer liegt bei 84 Prozent, was bedeutet, dass viele Tätigkeiten in diesem Beruf von Automatisierung betroffen sein könnten. Laut dem IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) liegt das Automatisierungspotenzial sogar bei 100 Prozent. Das stellt die Beschäftigten vor neue Herausforderungen, denn während theoretisch viele Aufgaben automatisiert werden könnten, wird bislang nur in 8 Prozent der Fälle tatsächlich KI eingesetzt. Das zeigt eine große Diskrepanz zwischen dem, was möglich ist, und dem, was bereits in der Praxis umgesetzt wird.
Diese Aufgaben erledigt KI schon heute
Bereits heute übernehmen verschiedene KI-Tools spezifische Aufgaben im Lackiererhandwerk. Zum Beispiel optimiert die Software Paints and Coatings AI die Farbmischungen und macht Vorschläge für die beste Lackierung, abhängig von Material und Umgebung. Statt selbst zu experimentieren, klickt man in der Software durch Optionen und erhält sofort hilfreiche Vorschläge.
Ein weiteres praktisches Tool ist ColorMatch, das die exakte Farbformel für Reparaturen oder Neulackierungen findet, indem es bestehende Farben analysiert. Früher musste man oft manuell mischen und testen, jetzt bietet die Software präzise Ergebnisse.
Die Software SprayCAD simuliert den Spritzlackierungsprozess und hilft dabei, effizientere Techniken zu finden, was Materialverschwendung reduziert. Auch das intelligente Spritzlackiersystem SmartSpray automatisiert den Lackierprozess und überwacht die Qualität in Echtzeit, sodass Fehler schneller erkannt und behoben werden können. Schließlich warnen Predictive Maintenance Tools vor möglichen Maschinenausfällen und tragen zur Vermeidung von Produktionsunterbrechungen bei.
Das kann KI nicht — und das bleibt deine Stärke
Trotz des hohen Automatisierungspotenzials gibt es Fähigkeiten, die KI nicht ersetzen kann. Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit sind Eigenschaften, die im Berufsalltag unerlässlich sind. Ein Lackierer muss oft im Team arbeiten, um Projekte erfolgreich abzuschließen, und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, bleibt menschlich.
Darüber hinaus sind handwerkliche Kenntnisse und die Fähigkeit zur Wartung und Reparatur von Maschinen unerlässlich. Diese praktischen Fähigkeiten erfordern Erfahrung und ein tiefes Verständnis für Materialien und Techniken, die KI nicht nachahmen kann.
Was sich in der Branche gerade tut
In der Lackierbranche zeigen sich deutliche Trends in Richtung Automatisierung und Nachhaltigkeit. Immer mehr Unternehmen setzen Roboter und KI-Technologien ein, um die Effizienz und Qualität der Lackierungen zu steigern. Auch umweltfreundliche Lackierverfahren und Materialien, die weniger flüchtige organische Verbindungen (VOCs) enthalten, gewinnen an Bedeutung. Der Einsatz von Datenanalyse zur Optimierung von Produktionsabläufen und zur Vorhersage von Wartungsbedarf wird immer wichtiger, um Ressourcen effizienter zu nutzen.
So entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland
Aktuell arbeiten in Deutschland rund 22.945 Menschen als Lackierer/in in der Spritzlackierung. Durchschnittlich verdienen sie 3.666 Euro pro Monat, wobei die Gehaltsspanne von 3.037 Euro bis 4.506 Euro reicht. Trotz des hohen Automatisierungspotenzials sind auch derzeit 853 Stellen ausgeschrieben. Dies bedeutet, dass es zwar Veränderungen geben wird, aber auch weiterhin Bedarf an qualifizierten Fachkräften besteht.
Die Entwicklung könnte dazu führen, dass sich die Art der Arbeit verändert, aber nicht unbedingt die Anzahl der Arbeitsplätze drastisch verringert. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Lackierern wird voraussichtlich bestehen bleiben.
Das kannst du jetzt tun — konkrete nächste Schritte
Um dich auf die Veränderungen in der Branche vorzubereiten und deine Position zu sichern, kannst du folgende Schritte unternehmen:
- Weiterbildung: Nutze kostenlose IHK-Webinare zu neuen Technologien in der Lackierung. Diese bieten dir wertvolle Einblicke in aktuelle Entwicklungen.
- Online-Kurse: Melde dich für kostengünstige MOOC-Plattformen wie Coursera oder edX an. Dort findest du Kurse zu Automatisierung und digitaler Fertigung, die dir helfen, dein Wissen zu erweitern.
- Fachmessen besuchen: Informiere dich über aktuelle Trends und neue Technologien, indem du relevante Messen besuchst. Hier kannst du auch Networking betreiben und dich mit anderen Fachleuten austauschen.
Diese Schritte helfen dir, nicht nur mit den Veränderungen Schritt zu halten, sondern auch deine eigenen Fähigkeiten auszubauen.
Fazit: Deine Zukunft als Lackierer/in
Die Zukunft als Lackierer/in in der Spritzlackierung wird von Veränderungen geprägt sein, die sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringen. Während KI viele Aufgaben übernehmen kann, bleiben persönliche Fähigkeiten und handwerkliches Wissen unerlässlich. Mit der richtigen Weiterbildung und Offenheit für neue Technologien kannst du deine Karriere aktiv gestalten und auch in der KI-Ära erfolgreich bleiben.