KI und der Beruf Nautiker/in (Hochschule): Was sich gerade verändert
Die Schifffahrt ist ein traditionsreicher Beruf, der jedoch zunehmend von Künstlicher Intelligenz (KI) beeinflusst wird. Der KI-Risiko-Score für Nautiker liegt bei 29%, was bedeutet, dass es ein mittleres Risiko gibt, dass bestimmte Aufgaben automatisiert werden. Die Automatisierungspotenziale in der Branche belaufen sich auf 60%, allerdings liegt der tatsächliche Einsatz von KI nur bei 9%. Dies zeigt, dass noch viel ungenutztes Potenzial besteht. Für dich als Nautiker/in heißt das, dass du dich darauf einstellen musst, dass KI bestimmte Aufgaben übernehmen wird, aber auch, dass deine menschlichen Fähigkeiten unverzichtbar bleiben.
Diese Aufgaben erledigt KI schon heute
Bereits heute gibt es diverse KI-Tools, die Nautiker bei ihrer Arbeit unterstützen. Zum Beispiel:
- Wärtsilä Navi-Assistant: Dieses Tool hilft bei der Navigation, indem es Wetter- und Strömungsdaten analysiert und Vorschläge für die optimale Route gibt. Früher mussten Nautiker diese Daten manuell auswerten.
- Kongsberg K-Bridge: Ein integriertes Brückensystem, das Echtzeitdaten überwacht und analysiert, um die Schiffsführung zu optimieren. Anstatt selbst ständig die Daten im Blick zu behalten, übernimmt die Software diese Überwachung.
- IBM Watson IoT: Hierbei handelt es sich um eine Plattform, die Sensordaten an Bord analysiert, um Wartungsbedarf vorherzusagen. Das reduziert nicht nur Ausfallzeiten, sondern steigert auch die Effizienz.
- Navis N4: Diese Software optimiert Abläufe in Containerterminals und gibt Vorschläge zur Logistikverbesserung. Früher war das alles reine Handarbeit und erforderte viel Zeit.
Diese Tools erleichtern dir die Arbeit, können jedoch auch dazu führen, dass bestimmte Routineaufgaben weniger Zeit in Anspruch nehmen.
Das kann KI nicht — und das bleibt deine Stärke
Trotz des Fortschritts in der KI bleibt dein Beitrag als Nautiker/in unverzichtbar. Fähigkeiten wie Teamarbeit, Kommunikationsfähigkeit und analytisches Denken sind schwer zu automatisieren. Du bist in der Lage, komplexe Situationen zu bewerten, Entscheidungen zu treffen und in Stresssituationen ruhig zu bleiben.
Beispiel: Auch wenn ein KI-Tool die optimale Route vorschlägt, musst du als Nautiker/in die endgültige Entscheidung treffen, ob diese Route sicher ist – etwa unter Berücksichtigung unerwarteter Wetterbedingungen oder anderer Schiffe.
Was sich in der Branche gerade tut
In der deutschen Schifffahrt sind spannende Entwicklungen im Gange. Der Fokus liegt auf Predictive Maintenance, also der vorausschauenden Wartung, die mithilfe von KI den Wartungsbedarf vorhersagt. Zudem gibt es Fortschritte in der autonomen Schifffahrt, wo KI für Navigation und Sicherheit eingesetzt wird. Auch die Nutzung von Big Data zur Optimierung von Transportprozessen nimmt zu.
So entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland
Aktuell arbeiten in Deutschland etwa 1.065 Nautiker, und es gibt 183 offene Stellen in diesem Bereich. Die Gehälter sind mit einem Median von 6.930 Euro pro Monat attraktiv. Allerdings wird auch deutlich, dass mehr Arbeitgeber nach Fachkräften suchen, die sich mit den neuen Technologien auskennen. Angesichts der Automatisierung und der steigenden Technologieanforderungen wird es immer wichtiger, weiterhin in die eigene Weiterbildung zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Das kannst du jetzt tun — konkrete nächste Schritte
Hier sind drei konkrete Schritte, die du sofort unternehmen kannst, um dich auf die Veränderungen in deinem Beruf vorzubereiten:
- Online-Kurse zur Datenanalyse und KI: Plattformen wie Coursera oder edX bieten kostenlose Kurse an, die dir helfen, ein Grundverständnis für KI zu entwickeln. Diese Kenntnisse sind besonders wertvoll, um besser mit den neuen Technologien arbeiten zu können.
- Webinare besuchen: Informiere dich über aktuelle Trends und Entwicklungen in der Schifffahrt durch Webinare von Berufsverbänden wie dem Deutschen Verein für Schifffahrt und Marine (DVS). Diese bieten oft wertvolle Einblicke und Netzwerkmöglichkeiten.
- Soft Skills stärken: Arbeite aktiv an deinen kommunikativen und analytischen Fähigkeiten. Dies kannst du durch Teamprojekte oder ehrenamtliche Tätigkeiten tun, wo du deine Teamfähigkeit und Initiative unter Beweis stellen kannst.
Fazit: Deine Zukunft als Nautiker/in
Die Zukunft für Nautiker/innen wird durch KI und Automatisierung geprägt sein, aber das bedeutet nicht das Ende deines Berufs. Deine menschlichen Fähigkeiten werden weiterhin gefragt sein. Nutze die Zeit, um dich fortzubilden und deine Stärken auszubauen. Die wichtigste Botschaft ist: Bleibe neugierig und investiere in dich selbst, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.