KI und der Beruf Schweißer/in im Anlagen- und Apparatebau: Was sich gerade verändert
Im Beruf des Schweißers oder der Schweißerin im Anlagen- und Apparatebau bringt die fortschreitende Künstliche Intelligenz (KI) sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Der KI-Risiko Score für diesen Beruf liegt bei 63%, was bedeutet, dass ein hohes Risiko besteht, dass bestimmte Aufgaben automatisiert werden. Das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) schätzt das Automatisierungspotenzial auf 83%. Das bedeutet, dass viele der Aufgaben, die heute manuell erledigt werden, theoretisch von Maschinen übernommen werden können. Praktisch wird KI jedoch bisher nur in 10% der Fälle eingesetzt. Dies zeigt, dass wir noch am Anfang stehen und ein großes Potenzial ungenutzt bleibt.
Ein greifbarer Vergleich: Früher mussten Schweißer oft Schweißnähte manuell überprüfen, heute können KI-gestützte Tools diese Aufgabe übernehmen und dabei Fehler deutlich schneller und präziser erkennen.
Diese Aufgaben erledigt KI schon heute
In der Praxis gibt es bereits verschiedene KI-Tools, die Schweißer im Anlagen- und Apparatebau unterstützen. Zum Beispiel:
- Fronius WeldCube: Dieses Tool analysiert Schweißdaten in Echtzeit und hilft dabei, die Qualität der Schweißnähte zu überwachen. Statt nach jedem Schweißprozess manuell zu kontrollieren, schaut die Software, ob alles den Standards entspricht.
- KUKA.Sim: Mit dieser Simulationssoftware können Schweißprozesse geplant und optimiert werden. Anstatt die Abläufe vor Ort auszuprobieren, können virtuelle Modelle erstellt werden, um den besten Ansatz zu finden.
- ABB RobotStudio: Diese Software ermöglicht es, Schweißroboter zu programmieren und ihre Abläufe zu simulieren. Dadurch werden Fehler minimiert und die Effizienz gesteigert.
- TÜV Rheinland’s Schweißmonitoring: Ein KI-Tool, das die Schweißprozesse überwacht, um sicherzustellen, dass alle Arbeiten den Qualitätsstandards entsprechen.
- MIG/MAG-Schweißgeräte mit integrierter KI: Einige moderne Geräte passen automatisch die Schweißparameter an, um optimale Ergebnisse zu erzielen, was den Schweißer entlastet.
Das kann KI nicht — und das bleibt deine Stärke
Trotz des hohen Automatisierungspotenzials gibt es Fähigkeiten, die KI nicht ersetzen kann. Menschliche Stärken wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit sind in der Praxis unerlässlich. Diese Eigenschaften sind entscheidend, wenn es darum geht, in einem Team zu arbeiten, Probleme kreativ zu lösen oder Verantwortung für die Qualität der Arbeit zu übernehmen.
Ein Beispiel: Während ein KI-Tool die Schweißnaht analysieren kann, ist es der Mensch, der die Entscheidung trifft, ob etwas nachbearbeitet werden muss oder nicht. Zudem sind viele Arbeiten im Anlagen- und Apparatebau so komplex, dass sie ein hohes Maß an Erfahrung und Intuition erfordern, was Maschinen nicht bieten können.
Was sich in der Branche gerade tut
Aktuell beobachten wir in der Branche einen starken Trend hin zur Automatisierung. Immer mehr Unternehmen setzen Roboter und automatisierte Schweißanlagen ein, um die Effizienz und Qualität ihrer Produktion zu steigern. Zudem wird der Einsatz von Datenanalyse und Monitoring durch KI immer wichtiger, um Schweißprozesse in Echtzeit zu optimieren. Ein weiterer Trend ist der Fokus auf nachhaltige und energieeffiziente Schweißtechniken, die ebenfalls durch intelligente Systeme unterstützt werden.
So entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es derzeit 66.054 Beschäftigte im Bereich Anlagen- und Apparatebau mit einem medianen Gehalt von 3.697 € im Monat. Die Gehaltsspanne reicht von 3.079 € bis 4.430 €, was auf eine breite Variation in der Bezahlung hinweist. Aktuell gibt es 4.245 offene Stellen in diesem Berufsfeld.
Die Entwicklungen zeigen, dass trotz der Automatisierung weiterhin viele Jobs bestehen bleiben werden. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist nach wie vor hoch, insbesondere für diejenigen, die sich weiterbilden und neue Technologien nutzen können.
Das kannst du jetzt tun — konkrete nächste Schritte
Um in der sich verändernden Arbeitswelt wettbewerbsfähig zu bleiben, kannst du folgende Schritte unternehmen:
- Online-Kurse besuchen: Plattformen wie Coursera oder Udemy bieten kostengünstige Kurse zu Schweißtechniken und Automatisierung an.
- Webinare von Industrieverbänden: Nutze kostenlose Webinare von Organisationen wie dem Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS), um dein Wissen zu erweitern.
- Praktische Erfahrungen sammeln: Versuche, in deinem aktuellen Job mehr Verantwortung zu übernehmen oder an Projekten teilzunehmen, die neue Technologien einbeziehen. Dies zeigt deine Bereitschaft zur Weiterentwicklung.
Fazit: Deine Zukunft als Schweißer/in im Anlagen- und Apparatebau
Die Zukunft als Schweißer/in im Anlagen- und Apparatebau bietet sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Während viele Aufgaben automatisiert werden können, bleiben menschliche Fähigkeiten unerlässlich. Mit der richtigen Weiterbildung und Offenheit für neue Technologien kannst du deine Karriere aktiv gestalten und dich auf die kommenden Veränderungen vorbereiten.